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Veröffentlicht am 29. Mai 2026

Ladies First

Männer sind Schweine
RegieThea Sharrock
Jahr2026
Länge90 Minuten
FSK12
Schauspieler*innenRosamund Pike, Sacha Baron Cohen, Richard E. Grant, Fiona Shaw u.a.
Kinostart / Streaming29.5.2026 bei Netflix

Damien oder ein Mann im Matriarchat

Die Grundidee des Films, der eine Adaption einer französischen Komödie ist, klingt eigentlich sehr charmant. Damien (Sacha Baron Cohen), ein Sexist vor dem Herrn, will CEO der Marketingfirma „Atlas” werden. Nur blöd, dass ausgerechnet Guinness, ein großer Kunde, jetzt auf ein Bier für Frauen setzt – und keine Marketingfirma haben will, die nur aus Männern besteht. Um das Problem zu lösen, befördert Damien kurzerhand Alex Fox (Rosamund Pike), die ohnehin die meiste Arbeit am Pitch für Guinness gemacht hat. Als die allerdings mitbekommt, dass das Ganze nur ein PR-Gag ist, stürmt sie aus dem Büro. Damien, der um seine Beförderung fürchtet, rennt ihr nach und knallt gegen einen Laternenmast. Als er wieder aufwacht, hat sich die Welt verändert.

Denn ab jetzt sind Frauen an der Macht. So heißt Burger King jetzt Burger Queen, Führungspositionen werden nur an Frauen vergeben (ja, auch in der Kirche) und für die Hausarbeit sind die Männer zuständig. Für Damien eine herbe Anpassung. Wie kann er dieser Welt wieder entfliehen? Ausgerechnet ein kauziger alter Typ scheint die Lösung zu kennen. Damien muss ganz nach oben kommen.

Schöne Idee mit mäßiger Umsetzung

Die Grundidee dieses Films ist charmant umgesetzt. Mit gutem Auge hat das Produktionsteam gesehen, wo in unserer Gesellschaft männliche Bilder dominieren. Dabei gibt es offensichtliche und weniger offensichtliche Bilder. Die Fülle an Beispielen ist schon echt erdrückend und dürfte auch dem letzten Idioten klarmachen, wie häufig Frauen in dieser Gesellschaft immer noch diskriminiert und (bewusst) übersehen werden.

Genau hier aber liegt das Problem: Man hat den Eindruck, dass der Film für Idioten gemacht ist. Alles wird in einer Offensichtlichkeit präsentiert, dass der eigene Denkapparat eigentlich ausgeschaltet werden kann. Man könnte nun argumentieren, dass es vielleicht manche Männer brauchen, damit sie es endlich kapieren. Ich würde aber vermuten, dass die bei Netflix nicht zwingend diesen Film ansehen. Und für die, die den Film sehen, erscheint er dann doch etwas unterkomplex.

Denn durch den kompletten Rollentausch wirkt der Film wenig inspirierend. Statt einem ernsthaften Gedankenexperiment, wo eine solche Welt der aktuellen auch etwas voraus hätte, wirkt dies hier so, als ginge es einfach nur darum, dass jetzt mal die Männer leiden müssen. Kann man natürlich machen, bringt einen aber auch nur bedingt weiter. Eine wirklich veränderte Welt, die Ungerechtigkeiten nicht nur umdreht, sondern wirklich langfristig verhindert, traut sich der Film nie zu zeichnen.

Dass man dabei einen Cast hat, der eigentlich viel mehr hergibt, ist geradezu ärgerlich. Denn mit Sacha Baron Cohen hat man den Schauspieler, der zuletzt mit Filmen wie Borat oder Der Diktator Männer verkörperte, die das Mannsbild verkörperten, gegen das dieser Film rebelliert. Rosamund Pike und Fiona Shaw spielen ihre Rollen so gut, als kämen sie gerade aus dem Seminar für machtgeile CEOs. All das könnte Teil eines wichtigen Filmwerks sein – wenn es denn das Drehbuch hergeben würde.

Auch Gott ist weiblich

Auch die Kirchen spielen (leider immer noch) eine Rolle in der Erhaltung des Patriarchats. Folglich kommt der Film gar nicht darum herum, in einer kurzen Szene auch der Kirche die Aufmerksamkeit zu schenken, als eine Priesterin bei einer Beerdigung das Gebet mit einer explizit weiblichen Anrede der Trinität abschließt: „Im Namen der Mutter und der Tochter und des heiligen Geistes”. (Im Englischen kommt dann noch ein „Amen” hinzu – statt des üblichen „Amen” in der Form „A women”.) Dass der Film ansonsten um Religion einen Bogen macht, mag an seiner Ausrichtung auf die Gesellschaft als Ganzes liegen. Für die Verwendung im religiösen Raum finde ich ihn dennoch eher ungeeignet, auch wenn das Thema für die Kirchen selbst hohe Relevanz haben sollte. Wer einen humorvollen Zugang zur Frauenordination sucht, dem sei immer noch The Vicar of Dibley empfohlen.

Fazit

Für mich bleibt Ladies First ein Film ohne Langzeitwirkung, der mich kaum abholt. Nicht, weil ich sein Thema nicht wichtig finde, sondern weil mir die Präsentation fast jede eigenständige Denkleistung abnimmt. Da rettet dann auch das charmante Design und der gute Cast den Film nicht mehr.

Film
2,5
von 5
Geist
2
von 5